Der Themenabend stieß auf großes Interesse und füllte das Raiffeisenforum bis auf den letzten Platz. In einer kleinen Abfrage zu Beginn stellte sich heraus, dass alle Gäste schon einmal Berührungspunkte mit KI-Werkzeugen hatten und diesen durchaus aufgeschlossen, wenngleich nicht unbedingt kritikfrei gegenüberstanden.
Die Impulsgeber für den Abend waren Markus Bläser, Geschäftsführer im Bereich Software-Entwicklung, und Timur Sereflioglu, tätig als Consultant in der KI-Forschung und Vorstandsmitglied im zukunftsraiff.-Verein. Beide präsentierten sehr anschauliche und kurzweilige Vorträge, die nicht nur Studien und Statistiken, sondern auch Beispiele aus ihrem Arbeitsalltag miteinbanden.
Bläser und Sereflioglu beleuchteten verschiedene Aspekte von KI-Integration in Betrieben und deren Auswirkungen. Zudem machten sie auf die Unterscheidung zwischen sogenannten KI-Agenten und KI-(Chat-)Bots aufmerksam, die jeweils in ihren Kompetenzen und Eigenschaften variieren.
Deutlich wurde im Gesamtüberblick, dass es -wie bei allen Innovationen- neben den Vorteilen auch Schattenseiten und vor allem Grenzen gibt. Bläser argumentierte etwa anhand des sogenannten Gartner Zyklus, dass das produktive Arbeiten mit einem neuen Werkzeug (in dem Fall der KI) erst nach dem „Hype“ eintritt, also dann, wenn die übersteigerten Erwartungen der Menschen an die Realität angepasst wurden.
Wie sinnvoll und effizient sich Künstliche Intelligenz tatsächlich in einen Betrieb integrieren lässt, hänge demnach immer vom Anwendungsbereich und dem/der Anwender:in ab. Denn entgegen mancher Annahmen ist eine KI nicht fehlerfrei, im Gegenteil: derzeit weisen alle Modelle noch eine relativ hohe Fehlerquote auf. Im professionellen Bereich müssen Ergebnisse also von Personen mit ausgereiftem Fachwissen kontrolliert und gegebenenfalls korrigiert werden können – selbst dann, wenn die Fehlerquote drastisch sinken sollte, um eine Verantwortlichkeit festlegen zu können.
Eine Schlussfolgerung daraus war die These, dass Einstiegsjobs zwar gefährdet seien, Expertenpositionen jedoch zukünftig umso gefragter. Wie man diesem Dilemma begegnen kann (ohne Einstiegsjobs keine Ausbildung von Experten), sei eine gesamtgesellschaftliche Fragestellung, so Bläser.

Timur Sereflioglu ging nach einer kurzen Zwischenpause näher auf Prozesse ein, die sich mit Hilfe von KI automatisieren lassen und skizzierte die Schritte, welche zuvor in einem Unternehmen getan werden müssen, um eine passgenaue Lösung zu entwickeln. Derzeit arbeitet er zusammen mit einigen Betrieben aus dem zukunftsraiff.-Verein an einem KI-Projekt, auf das er in diesem Zusammenhang noch einmal verwies.
Im Anschluss an die Vorträge bildeten sich angeregte Gespräche rund um das Thema. Bereits im Vorfeld war die Diskussion durch Wortmeldungen der Gäste sowie Gedankenanstöße durch die Impulsgeber immer wieder aufgekeimt. Lars Kober von der Wirtschaftsförderung Altenkirchen brachte an, dass das kontroverse Thema auch deshalb so spannend sei, da es sich um eine dynamische Situation handele. Positionen und Argumentationen könnten sich je nach zukünftigen Entwicklungen und Erkenntnissen kurzfristig ändern.
Mit vielen interessanten Sichtweisen und neu entwickelten Gedanken klang der Abend bei Snack und Getränken aus und bot den Gästen die Möglichkeit für einen ungezwungenen Austausch und das Teilen von Erfahrungen aus dem eigenen Betrieb.
Die nächste Veranstaltung des Digital-Stammtisch Westerwald/Sieg findet am 19. Mai 2026 in Scheuerfeld statt. Gastgeber ist die Martin Gruppe. Das Thema widmet sich ebenfalls der Digitalisierung, beleuchtet allerdings einen anderen Aspekt, und lautet: „Wenn Digitalisierung greifbar wird – Vom Materialfluss zum effizienten Betrieb“. Interessierte können sich bereits jetzt für die Veranstaltung anmelden. Mehr Informationen finden sich auch hier.


